Fünf Tage – 24 Stunden Sonne: eine besondere Reise in den Norden

Bezirksvorsteher für die neuapostolischen Gemeinden in Grönland nimmt Abschied

(14.07.2015) Nach über 26 Jahren hat der für die neuapostolischen Gemeinden in Grönland zuständige Bezirksvorsteher, Bezirksältester Jürgen Babbel aus Bremen, Ende Juni seine letzte Reise in das Land mit dem ewigen Eis absolviert. Im September 2015 wird er in den Ruhestand gehen. Dann liegen nicht nur viele Tausend Reisekilometer, sondern auch ungezählte Stunden herzlicher Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern, Freunden und Gästen in diesem Land der Extreme mit seiner herausragenden Natur hinter ihm.

Dass der gebürtige Bremerhavener Jürgen Babbel diese Reise mit ganz besonderen Gefühlen bestritt, wer will es ihm verdenken. Über mehr als ein Vierteljahrhundert war er die treibende Kraft, Dreh- und Angelpunkt sowie Motor für die Entwicklung der zahlenmäßig kleinen grönländischen Gemeinden. Zunächst an der Seite der Bezirksapostel Pos und Karlheinz Schumacher, dann von Bezirksapostel Rüdiger Krause und jetzt von Apostel Jörg Steinbrenner war es ihm über die vielen Jahre immer ein Herzensanliegen, dass die Gemeinden in jeder Hinsicht gut versorgt wurden. Dabei unterstützten ihn viele priesterliche Ämter und Diakone sowie Glaubensschwestern aus dem gesamten Bereich Bremen sowie teilweise Hamburg und Dänemark. Zusammen mit dem schon seit 2010 im Ruhestand lebenden Hirten Hans-Werner Schumacher aus Delmenhorst ist er ein Mann der ersten Stunde im Werke Gottes in Grönland. Denn sie begleiteten im Januar 1989 Apostel Walter Drave auf der ersten Kundschafter-Reise in die Hauptstadt Nuuk.

Weite Anreise
Damals wie heute starten die Reisen von hier nach Grönland - zur größten Insel der Erde, die politisch zu Dänemark gehört - mit dem Flugzeug von Bremen oder Hamburg nach Kopenhagen. Einige Jahre erfolgte die Anreise von Bremen auch über Sonderburg/Dänemark, wo früh morgens ein Flieger nach Kopenhagen startete. Ansonsten muss man wegen der ungünstigen Anschlussflüge allerdings schon am Abend vorher anreisen und in Kopenhagen übernachten. Denn der Interkontinentalflug von Dänemark zum großen Verteiler-Flughafen Kangerlussuaq (Søndre Strømfjord) an der grönländischen Westküste startet schon um 9 Uhr morgens. Nach einer Flugzeit von etwa viereinhalb Stunden landet man bedingt durch die vierstündige Zeitverschiebung zwischen Europa und Grönland wiederum gegen neun Uhr Ortszeit. Nach einer variablen Wartezeit von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden – das hängt vom Flugplan, vom Fluggerät oder vom Wetter ab – geht es von Kangerlussuaq in einem rund 50-minütigem Flug mit einer zweimotorigen Turboprob-Maschine vom Typ Dash 8 ins rund 400 Kilometer nördlich in der Diskobucht gelegene Ilulissat - die dritte Etappe. Nach einem kurzen Aufenthalt zum Aus- und Zusteigen anderer Passagiere geht es von dort mit derselben Maschine weiter nach Qaassut, der vierten Etappe, wo man nach rund 30 Minuten landet. Das ist die letzte Station, die mit dem Flugzeug erreicht werden kann. Von hier geht es nach einer kurzen Wartezeit nur noch mit dem Helikopter weiter, denn Uummannaq liegt auf einer Insel und dort gibt es als Landemöglichkeit nur einen kleinen Heliport. Dieser Flug dauert zwar nur noch 12 Minuten, doch insgesamt benötigt man für die fünf Einzeletappen rund 22 Stunden Reisezeit, um von Norddeutschland nach Uummannaq zu gelangen.

„Aber es hat sich immer gelohnt, die weite und teilweise beschwerliche Reise nach Grönland auf sich zu nehmen“, sagt Jürgen Babbel, der diese Reise insgesamt ca. 115 Mal unternommen hat. In der Regel dauerten diese Reisen knapp eine Woche. Das heißt, der Bezirksälteste hat rund zwei Jahre seiner Lebenszeit in Grönland verbracht– ein beachtliches Zeitopfer. Aber für ihn wie für die vielen Brüder und Schwestern waren damit auch immer ein großer Gewinn an glaubensstärkenden Erfahrungen und herzlicher Gemeinschaft mit lieben Menschen verbunden.

Die nördlichste Gemeinde
Uummannaq ist eine ca. 2.000 Einwohner zählende Siedlung an der Westküste in Nord-Grönland auf einer zwölf Quadratkilometer großen Insel im gleichnamigen Fjord, 590 Kilometer nördlich des Polarkreises. Es ist die wohl nördlichste Gemeinde der Neuapostolischen Kirche weltweit. In der Sommerzeit gibt es in dieser Region Grönlands keinen Sonnenaufgang und keinen Sonnenuntergang; tatsächlich war strahlender Sonnenschein über fünf Tage der ständige des Bezirksältesten Babbel und dem ihn begleitenden Priester Werner Wick. Dieser soll im Herbst des Jahres die administrativen und organisatorischen Aufgaben für die grönländischen Gemeinden von dem Bezirksältesten übernehmen.

„Über die gesamte Zeit des Aufenthaltes in Uummannaq fanden wir Brüder – wie immer – offene Türen und freundliche Aufnahme. Schließlich versammelten sich im kleinen Andachtsraum der Kirche am Sonntag (28. Juni 2015) insgesamt zwölf Seelen, davon sieben Gäste. Der in dänischer Sprache gehaltene Gottesdienst wurde am Altar von unserem Bruder Kristian Poulsen ins Grönländische übersetzt. Es waren bewegende Augenblicke, besonders auch im anschließenden kaffee-mik (Gemeinschaft und Gespräch bei Kaffee/Tee), wo viele gemeinsame Erlebnisse ausgetauscht wurden“, so schildert Jürgen Babbel seine Eindrücke.

Schließlich hieß es, voneinander Abschied zu nehmen - für den Bezirksältesten sogar von Grönland. Doch trotzdem reiste man wieder in großer Dankbarkeit „von Zuhause nach Zuhause“.